21. März 2017

Aktion "Wissmann muss weg!" am Internationalen Tag gegen Rassismus




Am Internationalen Tag gegen Rassismus, dem 21.3.2017 machten wir mit unserer jährlich stattfindenden Straßen-Umbenennungsaktion "Wissmann muss weg" darauf aufmerksam, dass die Wissmannstraße und andere nach Kolonialverbrechern benannte Straßen Berlins endlich umbenannt werden müssen!

Dieses Jahr benannten wir die Wissmannstraße in einer symbolischen Aktion in Aoua-Kéita-Straße um. Aoua Kéita war eine Aktivistin und Schriftstellerin aus Mali, die sich besonders für Frauenrechte und die Unabhängigkeit des Sudans stark machte.

Moctar Kamara, Vorsitzender des Zentralrats Afrikanischer Gemeinden in Berlin, betonte in seiner Rede, dass Rassismus in Deutschland noch immer stark im Alltag vorzufinden sei. Mit der Umbenennung nach Kolonialherrschern benannter Straßen könne so auch ein Anfang gemacht werden, das Thema Rassismus anzugehen und die Kolonialgeschichte aufzuarbeiten.

Auch der Gastredner Famson Akinola, Vorsitzender des Afrika-Rates Berlin, forderte Bezirk und Land dazu auf, diesbezüglich aktiv zu werden und in Zusammenarbeit mit der Community neue Namen für diese und andere nach Kolonialverbrechern benannte Straßen zu finden.

Ich freue mich über das grosse Interesse an der Aktion, welches noch einmal deutlich macht, dass Wissmann endlich weg muss! Wir werden die Straße weiterhin jedes Jahr im März symbolisch umbenennen bis Wissmann endlich weg ist!

Mehrere Medien berichteten:

Facetten Neukölln

Tagesspiegel - Leute Neukölln

Neues Deutschland

Auch Christian Hoffmann beschrieb die Umbenennungsaktion treffsicher:

Wissmann muss weg! Straßenumbenennungsaktion

Frühlingsanfang = Frühlingsputz und da gibt es so einiges in Neukölln zu bereinigen, z.B. Straßennamen die nun schon seit über hundert Jahren Kolonialverbrecher ehren. Die Wissmannstraße ist eine dieser Straßen. Hermann von Wissmannfirmiert unter den Titeln „Afrikaforscher im Auftrag des belgischen Königs“, Kolonialbeamter und Offizier. Zeitgenossen lobten ihn als „Deutschlands größten Afrikaner“. Viele Straßen und Plätze wurden nach ihm benannt. Viele dieser Benennungen erfolgten in den zwanziger Jahren d. l. Jahrhdts. Und insbesondere auch durch die Nationalsozialisten. Heute ist es unstrittig, dass Wissmann sich einer Vielzahl von Verbrechen schuldig gemacht hat: Er tötete 200 Menschen, weil deren Oberhaupt eine kaiserliche Fahne von einem Mast gerissen hatte. Er gilt auch als einer, der an der Niederschlagung des Maji-Maji-Aufstandes beteiligt war, was etwa 300.000 Tanzanier*innen das Leben kostete.
Im März und Mai 2009 wurden deshalb in Hannover und Stuttgart Straßenumbenennungen durchgeführt. Der 2016 in die Neuköllner BVV eingebrachte Antrag wurde neuwahlbedingt nicht mehr verabschiedet. Zum zweiten Mal gab es heute eine von Susanna Kahlefeld organisierte Mahnaktion in der Wissmannstraße. Es sprachen Muchtar Kamara, der Vorsitzende des Zentralrates der afrikanischen Gemeinden in Deutschland, Akinola Famson, der Vorsitzende des Afrikarates Berlin-Brandenburg und Susanna Kahlefeld, die direktgewählte GRÜNE AGH-Abgeordnete sowie Bernd Szczepanski, der Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Neuköllner BVV. Alle waren sich einig, dass eine weitere Ehrung eines solchen Kolonialverbrechers nicht weiter erfolgen darf, deswegen wurde vorgeschlagen die Straße nach Aoua Kéita (1912-1980) zu benennen, der Aktivistin und Schriftstellerin, die sich nach ihrem Medizinstudium der Unterstützung der Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika verschrieben hatte, eine feministische Gewerkschaft gründete und Mitglied der konstitutionellen Versammlung Malis in den fünfziger Jahren war. 1959 wurde sie in das malische Parlament gewählt.

 

 

 

 

« zurück