01. Juni 2015

Veranstaltungsbericht: Kiezgespräch zum Thema Fahrradfreundlichkeit in Neukölln



Mit fahrradbegeisterten Kiezbewohner diskutierten wir im Nachbarschaftstreff im Schillerkiez die Radverkehrssituation in Nord-Neukölln. Über die Hauptprobleme gab es Einigkeit: gefährliche Hauptverkehrsstraßen, das Fehlen von Radwegen und -streifen, mangelnde Abstellmöglichkeiten.

Ralf Tober von der Neuköllner ADFC Gruppe verwies besonders auf die fehlende Nord-Süd-Verbindung in Neukölln, Fahrradfahrer können nur über große Umwege und schlecht gepflasterte oder gefährliche Straßen von Süden nach Norden fahren. Ein Radweg für die Karl-Marx Straße sei erst 2020 geplant. Auch das Bezirksamt sei in der Umsetzung von Projekten in Nord-Neukölln oft wenig fahrradfreundlich. Bei Sanierungen werden teils fahrradfreundliche Straßenbeläge versprochen, diese dann aber nicht realisiert. Auch an Abstellmöglichkeiten fehle es an vielen Stellen, u.a. auch an Einkaufszentren und Supermärkten.

Martin Kupfer, Mitglied der Grünen Fraktion der BVV Neukölln sieht die Radfahrsituation in Neukölln südlich des Rings recht positiv, dort sei genug Platz. In Nord-Neukölln jedoch sei die Situation schlecht. Besonders gefährliche Kreuzungen und Straßen sollten zuerst saniert werden. Die Herrmannstraße z.B. habe eine undefinierbare Breite, die manche Autofahrer zu einem zweispurigen Fahren verleitet, was für Fahrradfahrer lebensgefährlich sein kann.

Bernd Szczepanski vertritt in seiner Position als Sozialstadtrat besonders ältere Menschen, bei diesen nehmen die Unfallzahlen in Neukölln zu. Während ältere Menschen im Süden Neuköllns das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel für Einkäufe etc. nutzen, können ältere Menschen in Nord-Neukölln durch die gefährliche Straßensituation kaum Radfahren. Weiterhin sei zu erkennen dass das Bezirksamt nur Projekte umsetzt, durch die der Autoverkehr nicht beeinflusst wird.

Nun kamen auch die Gäste zu Wort. Diese bemängelten u.a., dass, obwohl die Anzahl der Fahrradfahrer im Bezirk stetig steige, dieser Wachstum nicht durch einen Ausbau der Fahrradinfrastruktur des Bezirks begleitet wird. Auch die Abstellmöglichkeiten seien an vielen besonders frequentierten Orten mangelhaft. Innovative Lösungen um Fahrräder abzustellen oder einzuschließen fehlen gänzlich in Neukölln. Auch die Familienfreundlichkeit lasse in Neukölln in Punkto Fahrradfreundlichkeit zu wünschen übrig. Mit einem Fahrradanhänger lasse sich kaum ein Weg gefahrenfrei fahren, große Umwege müssten in Kauf genommen werden um sicher anzukommen.

Weiterhin wurde das Thema der Auflagen für Bauherren angesprochen, da es in vielen Innenhöfen keine oder nur unzureichende Abstellmöglichkeiten gibt. Die Bauauflagen für Neubauten, so Martin Kupfer, sehen vor dass auch Abstellplätze für Fahrräder und Autos zur Verfügung gestellt werden müssen, bei Altbauten wäre dies jedoch nicht der Fall.

Ich danke allen Podiumsteilnehmern und Gästen für die konstruktive Diskussion und Ideen!

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