10. März 2016

Meine Rede zum Thema: Stadtteilmütter – ein Weg in gesicherte Beschäftigung

Zu den Inhalten unseres Antrags zum Thema der Sicherung und Entwicklung der Arbeit von Stadtteilmüttern/Integrationslotsen/ -lotsinnen in Berlin habe ich am 3. März eine Rede im Abgeordnetenhaus gehalten.

Einen Videomitschnitt meiner Rede des Rbb finden Sie hier.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir fordern für die Stadtteilmütter und Integrationslotsen und - lotsinnen einen Weg in die gesicherte Beschäftigung. Stadtteilmütter und Integrationslotsinnen und -lotsen sind eines der bekanntesten Integrationsprogramme überhaupt. Das allein aber schafft keine einzige Stelle. Zur Erinnerung: Die Stadtteilmütter sind entstanden aus einem EU-Programm, das Frauen an den Arbeitsmarkt heranführen sollte. Erste Schritte in die Arbeitswelt sollten geübt werden, und bis heute werden die Kiezmütter, wie sie in Kreuzberg heißen, und die Integrationslotsinnen und -lotsen zu einem großen Teil aus beschäftigungsfördernden Maßnahmen der Jobcenter finanziert.

Über der großartigen Arbeit, die viele Frauen und Männer in diesen Maßnahmen leisten, sollten wir nicht vergessen: Eine gute Beschäftigungsmaßnahme stopft nicht irgendwo Löcher in der Bildungs- und Sozialarbeit, sondern eröffnet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Weg auf den Arbeitsmarkt. Die Stadtteilmütter und Integrationslotsinnen und - lotsen sind keine billigen Übersetzerinnen und Übersetzer, Begleitpersonen und Beraterinnen und Berater. Bei allem Lob für ihre Arbeit – der Ruf nach immer neuen Stadtteilmüttern und Integrationslotsinnen und - lotsen, wo immer es eine Mangelsituation gibt, ist unverantwortlich. Probleme in der Schule?

Holen wir die Stadtteilmütter! Überforderung in den Unterkünften mit Geflüchteten? – Holen wir die Integrationslotsinnen und -lotsen! Kommunikation mit dem Jugendamt ist schwierig? Die Stadtteilmütter sollen es richten! Und sie richten ja auch vieles, wo in der Stadt die Regelangebote kaputtgespart wurden und werden. Aber was passiert, wenn die Maßnahmen zu Ende sind? Dann stehen viele Betroffene wieder genau da, wo sie vor der Maßnahme standen. Sie sind wieder unqualifizierte und schwer vermittelbare Arbeitssuchende. Das Problem: Sie haben zwar viel für sich gelernt und viel für die Stadt geleistet, aber eine formale Qualifikation, die ihnen auch auf dem Papier bescheinigt werden kann, konnten sie dabei nicht erwerben – und wir wissen doch, dass in Deutschland Papiere immer noch wichtiger sind als Fähigkeiten.

Was ist mit den vielen Frauen, die keine Schulabschlüsse, aber viel Lebenserfahrung und praktischen Verstand haben? Was ist mit den Menschen, die ohne Qualifikation dastehen, weil ihre Abschlüsse bei uns nicht anerkannt werden?

Aus beiden Gruppen gibt es Menschen, die sich bewährt haben. Ihre wertvolle Tätigkeit zu erhalten, muss das Ziel sein. Wir fordern, dass Integrationslotsinnen und -lotsen und Kiezmütter nach dem Auslaufen der Jobcenterförderung in den Bezirken weiter beschäftigt werden können. Dafür müssen Mittel bereitgestellt werden. Die zwölf Koordinationsstellen für das Lotsinnen- und Lotsenprogramm, auf die sich auch Integrationslotsinnen und -lotsen selber bewerben können, reichen nicht. Das ist zu wenig. Außerdem können sich auf diese Stellen wieder nur Menschen bewerben, die formale Qualifikationen schon mitbringen, die weit über die Lotsinnen und Lotsentätigkeit hinausgehen.

Wir fordern weiterhin, dass bei der Ausschreibung sozialer Projekte und Förderprogramme den Trägern ermöglicht wird, Stadtteilmütter und Integrationslotsinnen und -lotsen abrechnungsfähig einzusetzen. Sie könnten mit ihrer Erfahrung das anerkannte Fachpersonal unterstützen. Denn seien wir ehrlich: Viele werden die Schulabschlüsse und Ausbildungen nicht mehr nachholen können, die sie für den ersten Arbeitsmarkt brauchen würden.

Sie damit allein zu lassen und ihrer guten Arbeit dadurch die verdiente Wertschätzung zu versagen, ist unverantwortlich. Ihre Fähigkeiten nicht sinnvoll weiter zu nutzen, ist ein Verlust für unsere Stadt. Deshalb: Unterstützen Sie unseren Antrag, den Betroffenen die Existenz und Berlin die gute Arbeit der Stadtteilmütter und Integrationslotsinnen und -lotsen nachhaltig zu sichern!

[Beifall bei den GRÜNEN]

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