23. März 2012

Partizipation durch Sport stärker fördern!

Drucksache 17/10 119: Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Susanna Kahlefeld (GRÜNE) vom 24. November 2011 und Antwort:

Partizipation durch Sport stärker fördern!

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1: Welche Ergebnisse liegen dem Senat vor bezüglich der Nutzung und Nachfrage bei Sport- und Bewegungsangeboten von Berlinerinnen und Berlinern mit Migrationshintergrund? (Bitte nach Alter, Geschlecht im Vergleich zur Bevölkerung ohne Migrationshintergrund auflisten.)

Zu 1: Eine Erfassung der Nutzung von und der Nachfrage nach Sport- und Bewegungsangeboten, die zwischen Berlinerinnen und Berlinern mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet, liegt dem Senat nicht vor. In den jährlichen sportstatistischen Erhebungsbögen, die in früheren Jahren das Merkmal der Staatsangehörigkeit (deutsch/ausländisch) von Sportvereinsmitgliedern erfassten, wird das Merkmal „Migrationshintergrund“ nicht erfasst.

Die Sportverhaltensstudie des Senats aus dem Jahr 2006 hat im Rahmen einer repräsentativen Befragung bezogen auf Berlinerinnen und Berliner mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft Aussagen

  • zur Sportaktivität männlich/weiblich
  • zur Sportaktivität nach Altersgruppen
  • zu den bevorzugten Sportformen
  • zu den Präferenzen für Sportthemenfelder
  • zur Dauer des Sporttreibens
  • zu den Orten des Sporttreibens
  • zur Organisation des Sporttreibens
  • zu den Motiven des Sporttreibens

jeweils im Vergleich zur Gesamtbevölkerung getroffen. Die Studie wurde 2008 veröffentlicht und kann im Internet unter http://www.berlin.de/sen/sport/sportpolitik/umfrage.html eingesehen werden.

Aktuell publizierte das Bundesinstitut für Sportwissenschaft im vergangenen Jahr den Sportentwicklungsbericht 2009/20101, der für Berlin im Hinblick auf die „Integration von Migranten“ folgende Daten (auf Basis einer Online-Befragung) lieferte:

  • Anteil Sportvereinsmitglieder mit Migrationshintergrund

        Berlin (Mittelwert in %)        13,6
        zum Vergleich Deutschland     9,3
        Anteil Personen mit Migrationshintergrund in Berlin gesamt (2008)    24,0

  • Von den ca. 74.400 Mitgliedern in Berliner Sportvereinen mit Migrationshintergrund sind in %

        Männer      73,5
        Frauen       26,5

Frage 2: Hält der Senat die Partizipation der Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund bei sportlichen Aktivitäten für ausreichend? Wenn nein, welche Barrieren im sozialen und kulturellen Bereich sieht der Senat?

Zu 2: Der Senat sieht die Partizipation der Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund bei sportlichen Aktivitäten dann als ausreichend an, wenn die Anteile der Sporttreibenden in etwa denen der Gesamtbevölkerung entsprechen. Dieses Ziel konnte noch nicht erreicht werden. Bei der Frage nach den Gründen der unzureichenden Teilhabe geht der Senat davon aus, dass es sowohl soziale wie auch kulturelle Barrieren gibt. Zum einen ist hinreichend nachgewiesen, dass sportliche Betätigung mit der Höhe des Haushaltsnettoeinkommens und dem Bildungsgrad korrelieren. Dies betrifft Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Zum anderen ist beispielsweise der im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich nach unten abweichende Anteil der weiblichen Berliner Sportvereinsmitglieder (Mädchen-/Frauenanteil gesamt 36,6 % zu 26,5 % bei den Migrantinnen) vermutlich in Anteilen auf religiöse/kulturelle Gepflogenheiten der islamisch geprägten Herkunftsländer zurückführbar.

Frage 3: Welche Aktionen und Maßnahmen im Programm „Integration durch Sport“ wurden gefördert? (Bitte nach Art und Höhe der Förderung, Anzahl der Teilnehmenden, Geschlecht und Bezirken getrennt auflisten.)

Frage 4: Welche Aktionen und Maßnahmen wurden im Rahmen des Projektes „Kids in die Clubs“ seit 2008 durchgeführt? (Bitte nach Art, Umfang, Anzahl der Teilnehmenden, Alter und Geschlecht getrennt auflisten.)

Frage 5: Welche Sportvereine arbeiten im Rahmen der schulischen Bildung insbesondere in der Ganztagsbetreuung mit Schulen zusammen? (Bitte getrennt nach Bezirken und Schulen auflisten.)

Zu 3 bis 5: Die gestellten Fragen sind nur in Zusammenarbeit mit der Sportjugend Berlin e.V. zu beantworten. Die Senatsverwaltung Inneres und Sport hat daher die Sportjugend Berlin e.V. um die Übermittlung der diesbezüglichen Zahlen gebeten. Da die Abfrage und Zusammenstellung der gewünschten Daten im Rahmen der zeitlichen Vorgabe für die Beantwortung Ihrer Kleinen Anfrage nicht zu leisten ist, werden Ihnen die Ergebnisse nach der Auswertung direkt übermittelt.

Frage 6: Welche konkreten Maßnahmen plant der Senat mit welchen finanziellen Mitteln zur Förderung der Partizipation von Migrantinnen und Migranten?

Zu 6: Der Senat setzt zum einen auf die erfolgreiche Fortführung des Bundesprogramms „Integration durch Sport“, das in Berlin von der Sportjugend Berlin e.V. koordiniert wird. Das Programm wird vom Bundesministerium des Innern als Zentralmaßnahme aus dafür vorgesehenen Projektmitteln finanziert. Sportvereine, die an einer Integration von Spätaussiedler-/innen und anderen Zuwanderer-/innen interessiert sind, bzw. bereits Integrationsarbeit leisten, können über das Programm „Integration durch Sport“ Unterstützung erhalten, durch

  • die Aufnahme in das Programm als "Stützpunktverein": d. h. regelmäßige Förderung (Übungsleiterzuschüsse für integrative Angebote, Maßnahmekosten, Materialkosten etc.), von Sportvereinen, die integrative Angebote unterbreiten,
  • die Unterstützung bei der Durchführung von Spielfesten, Mountain-Bike-Touren, Straßenfußball-Turnieren und anderen sportlichen Angeboten mit dem Sportmobil,
  • die Unterstützung bei der Durchführung von Inline-Skate-Angeboten mit dem Inline-Mobil, 
  • finanzielle Förderung integrativer sportorientierter Maßnahmen von Sportvereinen wie z.B. Spielfeste, Turniere, Ferienangebote, 
  • finanzielle Förderung von integrativen, sportorientierten Wochenend- oder Ferienfahrten von Sportvereinen.

Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich im Dialogforum „Sport“ des Aktionsplans zur Umsetzung des nationalen Integrationsplans verpflichtet, im Rahmen des Bundesprogramms "Integration durch Sport" auch weiterhin Sportmöglichkeiten zu schaffen und Sportangebote zu entwickeln, die sich an den Motiven der Zielgruppe zum Sporttreiben orientieren und deren spezifische Bedürfnissen Rechnung tragen.

Der Senat von Berlin hat 2009 das „Leitbild für die Sportmetropole Berlin“ beschlossen und in der nachfolgenden Umsetzungsphase ab 2010 das Handlungsfeld „Integration + Sport“ durch eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe bearbeiten lassen. Ziel der Arbeitsgruppe war es, prioritäre Maßnahmen zu identifizieren und dem Senat zur Umsetzung zu empfehlen. Die erfolgreiche Integrationsarbeit der Sportjugend Berlin, soll dadurch ergänzt werden.

Im Ergebnis wurden je drei Handlungsfelder/Maßnahmen aus den Bereichen

  • Integration in den Sport
  • Integration durch Sport
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen

ermittelt, die dem Senat zur Durchführung empfohlen werden sollen. Bereits vorab hat der Senat - gefördert durch Mittel aus dem Programm „Aktionsraumplus“ und unterstützt durch den Berliner Fußball-Verband e.V. – ein Mädchenfußball-Projekt als Maßnahme der Integrationsförderung in die Realisierungsphase gebracht: Das Berliner Mädchenfußball-Projekt wird zunächst vorrangig an Grundschulen der Bezirke Marzahn-Hellersdorf und Spandau umgesetzt werden. Ziel der schulischen Kooperationsmaßnahmen ist die Integration in den Sport, insbesondere durch die Annäherung des Anteils von Mädchen/Frauen bei Aktiven und bei Funktionsträger/innen. Projektbausteine sind

  • Schul-Arbeitsgemeinschaften für Mädchenfußball
  • Schul-Turniere
  • Fußballassistentinnen-Ausbildung
  • Fußball-Camps

Der Senat unterstützt die Initiative des Deutschen Fußball-Bundes e.V., der im Rahmen des Aktionsplans zur Umsetzung des nationalen Integrationsplans ein bundesweit flächendeckendes Angebot erreichen und durch Eigenleistungen unterstützen möchte.

Die 2012-2014 auf die Dauer von drei Jahren erforderliche Anschubfinanzierung in Höhe von maximal 160.000 Euro stellen die Senatsverwaltung für Inneres und Sport, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, die teilnehmenden Bezirke (Aktionsraumplus) sowie der Berliner Fußball-Verband e.V. anteilig zur Verfügung. Weitere Maßnahmen/Projekte sollen im Rahmen der verfügbaren Mittel folgen.

Berlin, den 13. Februar 2011

Frank Henkel
Senator für Inneres und Sport
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 20. März 2012)

1 C. Breuer (Hrsg.), Sportentwicklungsbericht 2009/2010, „Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland“, Sportverlag Strauß 2011

Die Datei der Drucksache 17/10119 können Sie hier herunterladen.

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