19. Dezember 2017

Schriftliche Anfrage: TAMAM - Bildungsprojekt von Moscheegemeinden

Das Druckdokument zur Schriftlichen Anfrage "TAMAM - Bildungsprojekt von Moscheengemeinden" (18/12705) finden Sie hier.

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Schriftliche Anfrage wie folgt: 

1. Mit welchen Moscheengemeinden und Verbänden wird im Rahmen des Projektes TAMAM zusammengearbeitet? (Bitte einzeln auflisten) 

Zu 1.: Es findet eine Zusammenarbeit mit folgenden Moscheegemeinden bzw. Verbänden statt: 
-  M.A.H.D.I. e. V.
-  Alevitische Gemeinde zu Berlin e. V.
-  Verband der Islamischen Kulturzentren e.V.
-  DITIB Landesjugendverband Berlin
-  Zentralrat der Muslime in Deutschland e. V.
-  Islamisches Kulturzentrum der Bosniaken e.V.
-  Islamische Föderation Berlin e. V.
-  Ahmaddiyya Muslim Jamaat KdöR
– Khadija-Moschee, Heinersdorf
-  Islamisches Jugenzentrum Berlin e. V.
-  Isa Beu Moschee e. V.
-  Indonesisches Weisheits- und Kulturzentrum e. V.
-  Liberal-Islamischer Bund e. V. -  i, Slam e.V.
-  Muslimische Hochschulgruppe e. V.   

2. Wie viele Moscheengemeinden wurden für das Projekt angefragt? Wie viele Moscheengemeinden haben die Zusammenarbeit zugesagt? 

Zu 2.: Die unter Punkt 1 genannten Gemeinden bzw. Verbände haben die Zusammenarbeit zugesagt. Darüber hinaus wurden einige weitere Gemeinden bzw. Verbände angesprochen. Eine Zusammenarbeit kam aus unterschiedlichen Gründen nicht zu Stande. So waren beispielsweise die personellen Ressourcen nicht vorhanden, bei anderen angefragten Moscheegemeinden war keine Jugendarbeit in absehbarer Zeit geplant.   

3. Unter welchen Kriterien hat die Auswahl der Moscheengemeinden stattgefunden? (Bitte auflisten) 

Zu 3.: Hauptkriterien für die Auswahl waren Folgende: 
Die teilnehmenden Moscheegemeinden bzw. Verbände sollten möglichst das gesamte Spektrum der Berliner Musliminnen und Muslime, sowohl im Hinblick auf ihre konfessionelle Orientierung als auch bzgl. ihrer ethnischen Herkunft, repräsentieren.  Darüber hinaus sollte eine eigene Jugendarbeit vorhanden bzw. im Aufbau sein. Eine weitere Voraussetzung war die Bereitschaft als Multiplikatorin oder Multiplikator zur Verfgügung zu stehen und über die zeitlichen Ressourcen, die die Mitarbeit im Projekt erfordert, zu verfügen.  

4. Wie viele partizipative Workshops haben bisher stattgefunden? Welche Themen wurden bearbeitet, wie erfolgte die Themenauswahl und welche Ergebnisse wurden erzielt? (Bitte einzeln auflisten)

Zu 4.: Die Themenauswahl resultiert aus den definierten Zielstellungen des Modellprojektes: 
Es sollen innovative Unterrichtsmethoden und –materialien für die Weiterbildung von muslimischen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren entwickelt werden. Dadurch soll die interkulturelle Bildung von Moscheegemeinden befördert werden.  
Des Weiteren soll die Sensibilisierung der Moscheegemeinden für kultur- und kunsthistorische Themen und die Ausbildung der in den Gemeinden tätigen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die pädagogische Weitergabe an junge Menschen aus dem Umfeld der jeweiligen Gemeinden erfolgen.  
Besonders hervorzuheben ist dabei die Grundphilosophie des Projektansatzes: Um gleichberechtigte und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure zu gewährleisten, ist Partizipation nicht nur konzeptionelle Grundlage des Projekts, sondern wird auch konsequent in allen Arbeitsschritten angewendet. Mittel und Werkzeug sind dabei vor allem die ganztägigen Workshops, in denen unter Einbeziehung der muslimischen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Methoden und Medien entwickelt und im nächsten Schritt in Moscheen getestet und evaluiert werden.  
TAMAM hat ein Alleinstellungsmerkmal, da es vom und im Museum für Islamische Kunst durchgeführt wird. Dadurch haben die Projektteilnehmerinnen und Projektteilnehmer die einmalige Chance, gemeinsam mit vor Ort tätigen Museumspädagoginnen und Museumspädagogen auf die vielfältigen Kulturobjekte des Museums zurückzugreifen und herauszuarbeiten, wieviel an gemeinsamer Kulturgeschichte zwischen Europa und den Nachbarregionen (Mittelmeerraum) seit Jahrhunderten existiert. Viele Kunstwerke aus dem Museum zeugen von dem Austausch über ethnische, religiöse und sprachliche Grenzen hinweg. Durch die Auseinandersetzung mit ihnen kann verdeutlicht werden, dass die Kulturen Europas, des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrikas aus demselben spätantiken Kontext stammen und dass historisch gesehen die islamisch geprägten Länder Integrationsleistungen vollbracht haben, die den europäischen Gesellschaften gegenwärtig so nicht gelingen.  
Durch das Projekt sollen diese historischen Erkenntnisse wieder publik und für eine breite Zuhörerschaft zugänglich gemacht werden. Dies soll mittels der Entwicklung von attraktiven und innovativen Unterrichtsmaterialen, die die Inhalte pädagogisch zeitgemäß vermitteln, erfolgen. 
Seit dem Start des Projektes im Januar 2016 haben ingesamt sieben ganztägige partizipative Workshops stattgefunden. Dabei wurden die Oberthemen Interkulturalität, religiöse Vielfalt im Islam und Museum bearbeitet. Themen, die darüber hinaus immer ebenfalls von Belang waren: Diskriminierungserfahrung, Toleranz, Zusammenleben in der vielfältigen Gesellschaft, Identität sowie diverse kunstgeschichtliche und geschichtliche Zusammenhänge im Kulturkontakt zwischen den islamisch geprägten Ländern und dem übrigen Europa.  
Ergebnisse der Workshops sind 15 Unterrichtseinheiten zu den o. g. Oberthemen, die von Mitarbeitenden des Museums und den Teilnehmenden aus den Gemeinden gemeinsam entwickelt wurden. Außerdem wurden unterstützende Vermittlungsmedien, wie z. B. eine Projektwebseite, entwickelt. Diese soll zum Ende des Jahres online geschaltet werden.  

5. Welche Art von Unterrichtsmaterial soll erstellt werden? Wer entscheidet über die Entwicklung und Gestaltung des Unterrichtsmaterials? 

Zu 5.: Das Unterrichtsmaterial wird auf der Basis der Prämissen und Zielsetzungen des Projekts erstellt (vgl. Antwort zur Frage 4).  
Geplant ist Unterrichtsmaterial für  30 Unterrichtseinheiten zu sechs Oberthemen zu entwickeln. Vorwiegend ehrenamtlich tätige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Moscheegemeinden sollen es nutzen können, um Kulturelle Bildung mit dem Schwerpunkt Kulturkontakt zwischen den islamisch geprägten Ländern und dem übrigen Europa in der Gemeinde anzubieten. Es ist beabsichtigt, dass die in den Moscheegemeinden bisher existierenden Angebote (religiöse Bildung) durch die Kulturelle Bildung ergänzt werden. Methodisch fußen die Materialien auf aktivierenden und kreativen Ansätzen, so dass auch pädagogisch neue Impulse in die Gemeinden getragen werden. 
Entscheidungen über die Inhalte, Ausarbeitung und Gestaltung der Materialien werden stets bei den partizipativen Workshops in der gesamten Gruppe (Mitarbeitende des Museums und Teilnehmende aus den Gemeinden) getroffen.
 
6. In welcher/n Sprache/n soll das Unterrichtsmaterial erstellt werden? 

Zu 6.: Das Unterrichtsmaterial entsteht auf Deutsch. Übersetzungen in mehrere zielgruppenrelevante Sprachen (Arabisch, Farsi, Kurdisch) ist geplant.

7. Wird das entwickelte Unterrichtsmaterial öffentlich zugänglich gemacht? Und wo kann es abgerufen werden?  

Zu 7.: Das Unterrichtsmaterial wird öffentlich und kostenfrei über die zukünftige Projektwebseite auch nach Projektende zugänglich sein. Darüber hinaus soll es Exemplare in gedruckter Form geben.   

8. In welcher Form wird Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt gemacht? 

Zu 8.: Die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt findet hauptsächlich über die sozialen Netzwerke (Facebook und Instagram) statt, da dies zielgruppenrelevante Medien sind. Des Weiteren finden mehrmals jährlich öffentliche Veranstaltungen im Museum wie bpsw. Fastenbrechen, Werkstattgespräche, Podiumsdiskussionen etc. statt.  

9. Wie viele Gelder stehen dem Projekt für die Gesamtlaufzeit zur Verfügung? Und aus welchem Titel im Haushalt wird das Projekt finanziert? 

Zu 9.: TAMAM hat in den Jahren 2016 und 2017 jeweils rund  60.000,- € aus dem Zuwendungstitel 68406 – Unterkonto 279 erhalten. Für 2018 wurde noch kein Zuwendungsbescheid erteilt, die Zuwendungssumme wird sich voraussichtlich in der Höhe der vorangegangenen Jahre bewegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass TAMAM mit einem wesentlich höheren Betrag aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird.  

Berlin, den 29. November 2017 
In Vertretung
Daniel  T i e t z e   
Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales  

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