Spielen im Müll? Anwohner*innen Konferenz zur Drogenproblematik im Neuköllner Norden und seine Auswirkungen auf öffentliche Frei- und Spielflächen

Am 18. Januar trafen sich Anwohner*innen in der Karlsgarten-Grundschule im Neuköllner Schillerkiez um gemeinsam mit einem gut besetzten Podium über die Auswirkungen des steigenden Drogenkonsums im Neuköllner Norden zu reden. Weiterhin wurden mögliche Maßnahmen diskutiert die dieser Problematik entgegenwirken.

Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey erklärt dass dies ein Thema sei, welches im Bezirksamt seit einiger Zeit sehr präsent sei, eine Verbesserung der Situation zu erreichen sei ein langer und schwieriger Weg. Denn sobald an einem Ort den Drogenkonsumenten vermehrt frequentieren, mehr Kontrollen stattfinden, verlageren sich die Konsum-Orte schnell in andere Gebiete des Bezirks, die Probleme würden dadurch nur verlagert, nicht aber beseitigt werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei der Fixbus, der zur Zeit an drei Tagen in der Woche an der Karl-Marx Straße Ecke Kirchhofstraße stehe. In diesem können Drogenabhängige unter hygienischen Bedingungen Drogen konsumieren und werden durch Berater*innen vor Ort betreut. Giffey befürwortet den Ausbau der Präsenz des Drogenmobils, die Finanzierung dieser sei jedoch Landessache.

Nicola Blättler, Mitarbeiterin des Vereins Fixpunkt e.V. der das Drogen- und Beratungsmobil betreut, berichtet dass das Mobil von den Abhängigen gut angenommen worden ist, obwohl besonders die polnischen und russischen Konsument*innen dem Projekt anfänglich misstrauisch gegenüber standen. Auch die 10 seit Oktober 2017 installierten Entsorgungsbehälter für Spritzen werden gut genutzt. In Neukölln gebe es derzeit ein*e Sozialarbeiter*in die/der die Konsumenten berät und aufklärt, hier sei viel mehr Personal nötig, die Finanzierung fehle jedoch.

Herr Vosskamp vom Grünflächenamt Neukölln erklärte den Besucher*innen in welcher Frequenz Spielplätze kontrolliert und gesäubert werden. Der Fund von Drogenutensilien sei 2017 sprunghaft angestiegen, besonders in Gegenden nahe des S-Bahn Rings.

Jochen Biedermann, Bezirksstadtrat und Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste freut sich dass 2017 endlich das Drogenmobil in Neukölln seine Arbeit aufnehmen konnte. Auch er wünscht sich für die Zukunft eine Ausweitung der Standortzeiten des Mobils und steht auch dem Vorschlag einer festen, immer geöffneten Räumlichkeit für den Drogenkonsum positiv gegenüber. Er betont, dass es hilfreich für den Angang der Problematik sei wenn auch die Zivilgesellschaft aktiv mithelfe, z.B. durch die Meldung von Spritzenfunden etc.

Auch Peter Herzfeld, Präventionsbeauftragter der Polizei Neukölln, würde eine Ausweitung der Öffnungszeiten des Drogenmobils befürworten. Er betont auch die Wichtigkeit alle Hauseingänge so zu sichern dass sie nicht leicht geöffnet werden können, da auch in den Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern oft Drogen konsumiert werden.

Vertreter*innen des Bezirklselternausschusses der Kitas bemängeln die fehlende Kommunikation der Behörden mit Kitas und anderen Institutionen. Besonders kleine Kitas wüssten bei Spritzenfunden etc. oft gar nicht an wen sie sich wenden können, auch die Spielplatzkomission sei aabwesend. Giffey betont darauffhin auch das Patenschaften-Programm für Spielplätze, bei dem Unternehmen oder Initiativen die Patenschaften für einen bestimmten Spielplatz übernehmen können um so z.B. eine verbesserte Reinigung zu finanzieren oder Schäden und Verschmutzungen regelmäßig zu melden.

Ich hoffe dass die Finanzierung der Erweiterung der Standortzeiten des Fixmobils schnell zugesagt wird, und werde auch weiterhin am Thema dranbleiben.

Auch der Tagesspiegel hat einen Bericht zur Anwohner*innen-Konferenz veröffentlich: hier geht's zum Artikel.

« zurück