12. März 2014

Kleine Anfrage: Wen erreicht die mobile Anlaufstelle für Wanderarbeiter?

Das Druckdokument zur Kleine Anfrage: Kleine Anfrage Wen erreicht die mobile Anlaufstelle für Wanderarbeiter? (ka 17/ 13092) finden Sie hier.

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:
1. An welchen Standorten ist die Mobile Anlaufstelle erreichbar, wann ist sie erreichbar und wie können Wander- und Saisonarbeiter*innen von ihrer Existenz erfahren?
Zu 1.: Die Mobile Anlaufstelle für europäische Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter und Roma (folgend Anlaufstelle) war und ist über die Standorte der beauftragten Träger Amaro Drom/Amaro Foro und südost Europa Kultur erreichbar bzw. die Träger sind aufsuchend tätig.
Die Öffnungszeiten der Anlaufstelle von südost Europa Kultur in der Großbeerenstr. 88 in 10963 Berlin und der Wiesenstraße 44 in 13357 Berlin sind: Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr; Bulgarisch: Mittwoch 10.00 -12.00 Uhr; Rumänisch: Donnerstag 10.00-18.00 Uhr.
Die Öffnungszeiten der Anlaufstelle von Amaro Foro sind wie folgt: Rumänisch: Montag und Dienstag von 9 - 15 Uhr Mittwoch von 10 - 15 Uhr; Bulgarisch: Montag von 10 - 15 Uhr und Dienstag von 9 - 15 Uhr.
Alle Bezirke und die Quartiersmanagements (QMs) sind über die Mobile Anlaufstelle für europäische Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeiter und Roma informiert. Darüber hinaus hat die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen ein Informationsblatt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltungen über Roma und europäische Wanderarbeitnehmerinnen und Wanderarbeitnehmer zu Rechtsgrundlagen zu Aufenthalt und Bildung sowie Kontaktstellen seit 2010 veröffentlich, das bei Bedarf aktualisiert wird.

2. Welche Träger sind an der Arbeit der mobilen Anlaufstelle beteiligt? Wie sind Budget, Stellen, Arbeitszeiten auf die beteiligten Träger verteilt? (Bitte für die Zeit-räume 2010/11 und 2012/13 sowie die Aufteilung auf die Träger im aktuellen Haushaltsjahr angeben)
Zu 2.: Die Aufgaben der Anlaufstelle werden seit 2010 nach einem Interessenbekundungsverfahren von der Migrantenorganisation südost Europa Kultur und der Romaorganisation Amaro Drom/Amaro Foro wahrgenommen. Notwendig wurde diese Maßnahme, nachdem 2009 der Zuzug von Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeitern insbesondere Roma aus den südosteuropäischen Mitgliedsstaaten nach Berlin zunahm und zu erkennen war, dass sie in Berlin ansässig bleiben.

Eine tabellarische Auflistung der Zuwendungen sowie wofür die Gelder eingesetzt wurden finden Sie hier im pdf-Dokument.

3. Wie viele Beratungs- und Betreuungsfälle hat die mobile Anlaufstelle? Bitte für die Jahre 2010 bis 2013 und getrennt nach Trägern angeben.
Zu 3.: Träger Süd-Ost-Europa Kultur e. V. Für das Jahr 2010 (Mai bis Dezember) wurden insgesamt 633 Beratungen (persönlich und telefonisch durchgeführt. Im Jahr 2011 wurden insgesamt 2531 Beratungen (persönlich und telefonisch) durchgeführt.
Träger Amaro Drom e. V. Der Träger hat insgesamt 3282 Beratungseinheiten dokumentiert. Die häufigsten Beratungsanliegen waren Fragen zur finanziellen Situation, gefolgt von Wohnen, Arbeit und Gesundheit. Die meisten Klientinnen und Klienten brachten Anliegen aus verschiedenen Bereichen vor.
Für die Jahre 2012 und 2013 siehe Tabellen zur Beantwortung der Frage 2.

4. Aus welchen Ländern kommen die Ratsuchenden? Bitte für die Jahre 2010 bis 2013 und getrennt nach Trägern angeben.
Zu 4.: Beide Träger berichteten, dass die Ratsuchenden überwiegend aus Bulgarien und Rumänien kamen. Eine statistische Erfassung der Beratungsfälle nach Nationalitäten liegt nicht vor.

5. In welchen Bereichen wurden Beratungen und Unterstützungen durchgeführt: Beratung und Beistand bei Wohnungsverlust, Erstorientierung, Vermittlung und sprachmittelnde Begleitung in Einrichtungen der sozialen Infrastruktur (Kindertagesstätten, Schulen, Gesundheitsdienste, Sprachkurse, Jobcenter etc.)? Wie viele Beratungen entfielen auf welchen Bereich? Bitte für die Jahre 2010 bis 2013 und getrennt nach Trägern angeben.

Zu 5.: Eine statistische Erfassung der Beratungsfälle nach Schwerpunkten liegt nicht vor.

6. Es handelt sich um eine Anlaufstelle für Wander-ARBEITER – finden Hilfesuchende dort eine Unterstützung bei Problemen mit der Auszahlung von Löhnen, Lohnprellerei oder bei Arbeitsunfällen? Warum fehlt dieser für arbeitende Menschen zentrale Bereich in der Aufgabenbeschreibung der Anlaufstelle?
Zu 6.: Die Anlaufstelle ist im Jahr 2010 mit folgenden Schwerpunkten ausgeschrieben worden:

  • Erstberatung: Zu allgemeinen Fragen des Aufenthalts, der Arbeitsaufnahme und eventueller sonstiger Probleme. Erstberatung bei Anfeindungen und antiziganistischen Vorfällen.
  • Vermittlungsberatung: Vermittlung zu den Angeboten der Regeldienste. Gegebenenfalls Begleitung und Dol-metscherfunktionen bei der Wahrnehmung von Terminen. Sensibilisierung der Regeldienste für die Probleme, Interessen und Potenziale der Roma.
  • Intervention in Konfliktfällen: Sensibilisierung und Aufklärung der lokalen Öffentlichkeit für die Probleme der angekommenen Romafamilien; Begleitung und Über-setzung bei Konfliktbearbeitungsterminen z.B. bei örtli-chen Einrichtungen, Sozialarbeit, privaten Unterkünften, Polizei etc.

Die Ausrichtung der Anlaufstelle hat sich bewährt und ist mit diesen Aufgaben auch bei besonderen Brennpunkten flexibel und auskunftsfähig. Die Anlaufstelle ist der erste Anlaufpunkt für Neuankommende und bildet eine Brücke zu den Regeldiensten, auch in Sachen Arbeit. Sie unterstützt Ratsuchende beim Zugang zu JobCentern und Arbeitsagenturen und vermittelt zum Beratungsbüro für entsandte Beschäftigte in Berlin und der Beratungsstelle für Migrantinnen und Migranten von Arbeit und Leben (DGB/VHS) e.V. bei Problemen mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bzw. Auftraggeberinnen und Auftraggebern.

7. Was ist unter „Konfliktintervention im Sozialraum“ zu verstehen und wie viele Fälle gab es 2010 bis 2013?
Zu 7.: Konfliktinterventionen im Sozialraum finden in der Regel im Wohnumfeld von Romafamilien statt und werden häufig über einschlägige Arbeitsgruppen in den Bezirken kommuniziert. Die Anlaufstelle greift hier vermittelnd zwischen den Familien und den anderen Anwohnern und/oder dem Vermieter/der Vermieterin ein, Bezir-ke, Regeldienst und auch QM’s werden einbezogen. Besonders aktiv war die Anlaufstelle in einer solchen Intervention im Jahr 2010 in der Turmstraße 4 in Mitte. Zurzeit unterstützt sie die Bewohner der Eisfabrik.
Eine statistische Erfassung der Interventionen liegt nicht vor.

8. Wie ist die mobile Anlaufstelle vernetzt? Wie gestalten sich Zusammenarbeit mit anderen Trägern der Integrationsarbeit und mit den Bezirksämtern?
Zu 8.: Die Träger der Anlaufstelle arbeiten in den unterschiedlichen Arbeitsgruppe Roma der Bezirke mit und haben ebenfalls zum Gelingen des Berliner Aktionsplans zur Einbeziehung ausländischer Roma beigetragen, indem sie aktiv Maßnahmen initiiert haben, die sie nun in Folge auch durchführen. Ab 2014 haben sich die Träger im Einvernehmen mit der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen darauf verständigt Zuständigkeiten für bestimmte Bezirke zu übernehmen:
südost Europa Kultur e.V. - Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Reinickendorf, Lichtenberg, Spandau und Charlot-tenburg- Wilmersdorf
Amaro Foro e.V. - Neukölln, Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Treptow-Köpenick, Tempelhol-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf
Über die Anlaufstelle hinaus sind beide Träger in unterschiedlichen Maßnahmen des Berliner Aktionsplans zur Einbeziehung ausländischer Roma aktiv und arbeiten in diesen auch zusammen.

9. Falls der Senat die Vernetzung und Zusammenarbeit als gut bewertet: Was bedeutet das konkret?
Zu 9.: Die Zusammenarbeit mit den Trägern der Anlaufstelle und der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen ist eng und erfolgreich zu bewerten. Es ist eine aus Sicht der Verwaltung gut funktionierende Zusammenarbeit. Beide Träger haben einen sehr guten Zugang zur Zielgruppe und arbeiten gut mit ihr zusammen. Sie vermitteln ihre Erfahrungen der Senatsverwaltung, so dass auf dieser Seite stetig eine gute Information über die aktuelle Situation in der Stadt, wie auch eine hohe Sensibilität für die Zielgruppe vorhanden ist.

10. Wurden die Menschen, die in der Eisfabrik lebten, von der Mobilen Anlaufstelle betreut? Wenn ja inwiefern? Wenn nicht, warum nicht?
Zu 10.: Die Menschen, die in der Eisfabrik lebten, werden von der Anlaufstelle betreut.

Berlin, den 26. Februar 2014
In Vertretung
Barbara Loth
Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 06. Mrz. 2014)

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