Susanna auf Kieztour

Am 24. August 2016 war ich in meinem Wahlkreis unterwegs und hatte Gäste dazu eingeladen.

Unsere Tour startete am Spätkauf 178 in der Hermannstraße, Ecke Thomasstraße. Hier informierten wir uns über die Lage des Spätis, denn viele der rund 900, meist inhaber*innengeführten Läden sind in ihrer Existenz bedroht, da ihnen eine Öffnung an Sonn- und Feiertagen verwehrt bleibt. Nach mehreren Dialogtreffen zu denen meine Kollegin Anja Kofbinger und ich Spätkaufbetreiber*innen aus Neukölln, Vertreter*innen der IHK sowie Polizei- und Ordnungsamtsmitarbeiter*innen eingeladen hatten, haben wir einen Antrag an den Senat gestellt. Wir wollen nicht das Ladenöffnungsgesetz ändern - das wäre sowieso Bundesangelegenheit – sondern die Ausführungsvorschriften zum Berliner Ladenöffnungsgesetz so erweitern, dass „Spätverkaufsstellen“ per Definition unter die Ausnahmeregelungen für Sonn- und Feiertagen fallen. Inzwischen haben auch Vertreter*innen anderer Parteien ihre strikte Ablehnung aufgegeben und wir hoffen, in der neuen Legislaturperiode eine echte Verbesserung für die Späti-Besitzer*innen zu erreichen.

Anschließend besuchten wir das Agora Collective in der ehemaligen Kindl Brauerei. Das Agora collective e.V. renoviert auf dem alten Kindl-Gelände die alte Halle. In zwei Jahren soll das Gebäude auch noch um ein Level aufgestockt werden. In Verbindung mit Kunst und Kultur sollen hier ein Coworking Space, Wohnungen sowie Werkstätten entstehen. All das steht im Zeichen der „circular economy“ (Kreislaufwirtschaft), die Wiederverwertung von Materialien steht bei allen Aktionen im Fokus. Möglich wurde dieses Projekt durch die Edith Maryon Stiftung, die das Gelände gekauft hat. Ihr Ziel ist es, Areale und Projekte aus dem Kreislauf der Spekulation herauszunehmen um Gentrifizierung entgegenzuwirken. Ich habe mich gefreut zu hören, dass mittlerweile die Kinder aus dem angrenzenden Rollbergviertel mit dem Agora collective Freundschaft geschlossen haben und regelmäßig bei Veranstaltungen einbezogen werden.

Zum Abschluss der Tour besuchten wir den Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in der Hasenheide. Der Tempel wird auf einem Erbpachtgrundstück des Bezirks gebaut und wächst Stück für Stück so wie die Spendengeld hereinkommen. Die Gebets-Räume in der ehemaligen Jahn-Sport-Halle sind jetzt schon ein Zentrum für interkulturelle und interreligiöse Begegnungen mit einem Einzugsgebiet über Berlin hinaus und Anlaufstelle für Flüchtlinge aus Afghanistan sowie die vielen Fachkräfte aus Indien, die temporär in Berlin leben. Auch die enge Zusammenarbeit mit Vertreter*innen anderer Religionen, Vereinen, Organisationen und staatlichen Einrichtungen wird im Verein groß geschrieben. Das fertig gestellte, bunte Eingangstor ist eine Attraktion für Touristen.

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