Veranstaltungsbericht meines Workshops beim Grünen Bildungskongress: Die Interkulturelle Öffnung von Schule und Unterricht

Auf dem Grünen Bildungskongress 2015 wurden in acht Workshops zu verschiedenen Themenfeldern Antworten auf die Frage gesucht, was eine gute Schule der Zukunft ausmachen sollte. Eine Zusammenfassung der Ergebisse des Grünen Bildungskongresses 2015 zum Thema "Gute Schule 2030" finden Sie hier.

Workshop: Die Interkulturelle Öffnung von Schule und Unterricht

In meinem Workshop widmete ich mich mit den drei Podiumsgästen und dem fachkundigen Publikum dem Thema der interkulturellen Öffnung von Schule und Unterricht.

In der Einleitung betonte ich, dass sich in den letzten Jahren zwar vieles geändert habe um eine interkulturelle Öffnung zu ermöglichen, dennoch sei besonders in Berlin noch immer eine starke Segregation zu erkennen, die einem schulischen Miteinander von allen Kindern, unabhängig vom Bildungshintergrund und der Geschichte ihrer Familien, im Weg stehe.

Herr Podzwadowski, Mitglied der Bürgerplattform Wedding, der sich für die Gründung der Freien Bürgerschule Wedding einsetzt, berichtete von der zermürbenden Erfahrung der Schulgründung die von der Politik nicht gewollt ist. Die Bürgerplattform Wedding ist ein Zusammenschluss von Vertreter*innen aus ca. 40 verschiedenartigen Gruppen des Bezirks, die sich gemeinsam für Verbesserungen des Stadtteils einsetzen. Da es im Wedding eine Schulabbrecherquote von knapp 40% gibt, liegt das Thema Schule den Bewohner*innen besonders am Herzen. Gemeinsam engagieren sie sich für die Gründung einer Freien Schule, die allen Schüler*innen, unabhängig von Herkunft und finanziellen Möglichkeiten, eine gleichberechtigte Chance bietet und neue Formen von Pädagogik und Elternarbeit umsetzt. Trotz der großen Unterstützung aus der Bevölkerung und einem von allen gelobten Konzept legt der Senat den Gründern viele Steine in den Weg. Es sei eine Machtfrage, so Podzwadowski, eine inhaltliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe sei vom Senat nicht gewünscht.

Mahi Christians-Roshanai, die sich in der BVV Neukölln für eine Verbesserung der Schulen einsetzt und als Lerncoach seit 15 Jahren Neuköllner Schüler*innen betreut, bestätigt das Phänomen der Segregation in Bezug auf Neukölln. Es gäbe ein inoffizielles Ranking der Schulen, welches sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiten würde und es Schulen erschweren würde eine gemischtere Schüler*innenschaft anzuziehen. Sie fordert u.a. dass die Lehrer*innen in ihrem Studium mehr interkulturelle Kompetenzen erlangen, dies werde an den Universitäten oft vernachlässigt. Auch bei der Umsetzung der neuen Schulreform gäbe es teilweise Schwierigkeiten, welche dazu führen, dass einige Schüler*innen keinen Abschluss erlangen.

Frau Stathakou war 4 Jahre lang Teil der erweiterten Schulleitung der Alfred-Nobel-Schule, einer Schule deren Schüler*innenschaft zu 84% einen Migrationshintergrund hat. Auch 25% der Lehrer*innen haben einen Migrationshintergrund, was von der Schüler*innenschaft sehr positiv aufgenommen wird. Leider gäbe es, obwohl ein Großteil der Schüler*innen arabische Wurzeln hat, keine arabischsprachigen Lehrer*innen. Dies läge u.a. an den Schwierigkeiten, die im Ausland erworbenen Universitätstitel anerkennen zu lassen. An der Alfred-Nobel-Schule gibt es in der 7. Klasse ein von einem externen Anbieter geleitetes Unterrichtsmodul zum Thema „Soziales lernen“, welches u.a. zusammen mit dem queer-at-school Projekt gestaltet wird um Schüler*innen die Diversität der Gesellschaft nahezubringen.

Die Spanne der Bildungsniveaus zwischen den verschiedenen Schülern einer Klasse sei oft enorm, so Stathakou. Hierbei allen Schüler*innen gerecht zu werden sei für die oftmals sehr engagierten Lehrer*innen eine große Herausforderung.

Nach dieser Vorstellungsrunde hatten auch die Gäste Zeit Fragen zu stellen und sich inhaltlich in die Diskussion einzubringen. Ein Gast fordert dazu auf, Multikulturalität als einen Grundzustand der Gesellschaft anzusehen, und alle Ansätze zur interkulturellen Öffnung auf dieser Grundlage zu basieren. Auch die Förderung der Zweisprachigkeit war ein Thema, von dem sich mehrere Teilnehmer*innen wünschten, dass dies vermehrt von den Schulen aufgegriffen und gefördert wird.

Zum Thema der Interkulturellen Öffnung von Schulen sagte Frau Stathakou, dass der Begriff im Grunde falsch gewählt sein, denn „Öffnung „ würde ja bedeuten dass die Türen bezüglich dieses Themas geschlossen waren, dies sei aber keinesfalls der Fall. Ein Gast fordert, dass diese Themen nicht nur in außerschulischen Projekten gefördert werden sollten, sondern besser in den Schulalltag integriert werden sollen. Ein anderer Zuhörer bedauerte sehr, dass sich in den Klassen der Berliner Schulen kaum mit den Lebensgeschichten und den Herkunftsländern der Schüler*innen auseinandergesetzt wird. Die Hintergründe und erste Hand Erfahrungen dieser Schüler*innen bieten ein großes Potential um politische, ökonomische und ökologische Themen zu behandeln, welches von den Lehrer*innen gar nicht erkannt wird.

In der Abschlussrunde betonte Mahi Christians-Roshanai dass es den Schulen besonders daran fehle ein „Wir-Gefühl“ in der Schüler*innenschaft zu erzeugen, und die Schüler*innen zu wenig dabei unterstützen würden das eigene ICH zu definieren und somit Selbstwertgefühl zu erlangen. Leider herrsche in den Schulen noch eine eine Defizit-Orientierung vor, dies müsse sich in Zukunft ändern.

Frau Stathakou forderte dazu auf, in Zukunft auch das persönliche Glück, in Familie und Freundeskreis anzusprechen anstatt sich nur mit dem Intellekt der Schüler*innen zu beschäftigen. Durch die Wertschätzung von sinnlichen Bereichen, wie z.B. tanzen, könnten so Schüler*innen gestärkt werden, die mit intellektuellen Aufgaben oft Schwierigkeiten haben. Auch die vermehrte Anstellung bilingualer Lehrer*innen sei notwendig, um ein Lehrer*innenkollegium aufzubauen, welches die Schwierigkeiten der Kinder die einen Spagat zwischen zwei Welten vollziehen müssen, verstehen.

Auch Herr Podzadowski bemängelte dass viele Eigenschaften der Kinder an den Schulen gar nicht beachtet oder wertgeschätzt werden und bemängelte die oft extrem langsam verlaufende Umsetzung von neuen Ansätzen und Plänen. Anstatt dessen solle vermehrt auf die Durchführung von praktischen Ansätzen wie Modell-Vorhaben gesetzt werden, um schnell und praxisnah Lösungen zu finden.

Wir freuen uns über die konstruktiven und vielfältigen Anregungen, die sowohl die Podiumsteilnehmer*innen als auch die Workshopteilnehmer*innen vortrugen und werden uns weiterhin für eine Verbesserung der Bedingungen an Berliner Schulen einsetzen!

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