Katholische Kirche will Haus in der Karl-Marx-Straße 11 an Meistbietenden verkaufen!

In dem Mietshaus in der Karl-Marx-Straße 11 in Neukölln leben über 60 Personen. Gemeinsam haben sie beschlossen eine Genossenschaft zu gründen und das Haus der katholischen Kirche selbst abzukaufen. Doch das Erzbistum hat entschieden das Haus - über Vermittlung von Engel & Völkers" - an den Meistbietenden zu veräußern und dies öffentlich in der Presse verlauten lassen. Darauf hin habe ich einen Brief an das Erzbistum geschrieben.

 

Sehr geehrter Herr Engelbreth,

nach Informationen des rbb hat das Erzbistum Berlin von wohlmeinenden Hausbesitzern ein Haus in der Karl-Marx-Straße 11 geerbt. Damit war sicherlich die Hoffnung verbunden, dass das Haus in guten Händen und die Hausgemeinschaft geschützt ist. Die Bewohner:innen haben berichtet, dass sie sorgfältig und freundlich ausgesucht wurden, wobei ihre persönliche Situation eine große Rolle spielte

Natürlich hat das Erzbistum das Recht, mit seinem Eigentum zu tun, was es will. Dazu gehört auch ein Hausverkauf. Aber muss es an den Höchstbietenden sein? Wir wissen alle, wie die Mechanismen funktionieren: Wer viel investiert, muss danach viel aus dem Haus herausziehen, damit sich die Investition lohnt. Mit der Entscheidung, an den höchstbietenden zu verkaufen – und das hat der Vertreter des Erzbistums im rbb angekündigt – setzt die Kirche die Hausgemeinschaft genau dem aus: Einem neuen Besitzer, der seine Investition refinanzieren muss. Denken Sie nicht, dass die alten Besitzer, wenn sie das hätten vorhersehen können, das Haus lieber an andere vererbt hätten?

Warum genügen die 3,8 Mio. dem Erzbistum nicht als Kaufpreis? Ist eine solidarische Hausgemeinschaft nicht ein Gewinn für unsere Stadt, zu der das Erzbistum mit einem gewissen Verlust, der ja nur durch einen kleineren Verkaufsgewinn entsteht - beitragen sollte? Eigentum verpflichtet.

Abgesehen davon bezweifele ich, dass es überhaupt klug ist, Immobilien zu verkaufen: Wir brauchen in der Stadt Immobilien und Grundstücke, die für eine soziale Gestaltung der Stadt noch zur Verfügung stehen.

Jedes Haus, dass an Investoren und Fonds geht – und das ist ja leider der ausdrückliche Plan des Erzbistums – treibt die Mieten und damit die Ausgaben für Wohngeld weiter in die Höhe, verunmöglicht durch diesen Marktmechanismus Projekte und den Erhalt von Räumen für Alleinerziehende, Obdachlose, Familien mit vielen Kindern, Alten Menschen mit geringer Rente, Geflüchtete etc.

Das Argument, mit dem Erlös könne man „mehr Menschen“ helfen als „nur“ der Hausgemeinschaft, rechnet sich so gesehen nicht. Außerdem zählen auch die über 60 Individuen, deren Zuhause sehenden Auges an den meistbietenden Investor verkauft wird.

Vielleicht können Sie dazu beitragen, dass der Vorgang noch einmal überdacht wird.

Mit freundlichen Grüßen, Susanna Kahlefeld

 

Presseberichte zum Thema

rbb24: Mieter streiten mit Kirche über Hausverkauf, 19.07.2025

tagesschau: Berlin-Neukölln: Mieter streiten mit Kirche über Hausverkauf, 19.07.2025

 

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