2025 war ein Jahr, in dem sich einmal mehr gezeigt hat, wie sehr unsere Demokratie von Menschen lebt, die sich kritisch einmischen, Verantwortung übernehmen und selber machen, was fehlt. Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spaltung, wachsender Verunsicherung und zunehmender Angriffe auf demokratische Grundwerte ist dieser Einsatz unverzichtbar.
Demokratie lebt nicht allein von Wahlen – sie lebt von aktiver Mitbestimmung, von Mitgestaltung und von einer lebendigen Zivilgesellschaft. Genau darüber haben wir im Oktober beim Fachtag „Beteiligung und Demokratie“ intensiv diskutiert. Die zentrale Botschaft dieses Tages war klar: Beteiligung muss gestärkt, gesichert und weiterentwickelt werden. Dafür braucht es politischen Willen und verlässliche Rahmenbedingungen. Und es braucht endlich ein Demokratiefördergesetz für Berlin, welches Engagement schützt und absichert, statt ihm zu misstrauen und es von Jahr zu Jahr in Frage zu stellen. Hierfür werde ich mich gemeinsam mit meiner Fraktion einsetzen.
Problematisch war in diesem Jahr das faktische Scheitern der Enquete-Kommission zu gesellschaftlichem Zusammenhalt. Das Leugnen struktureller Diskriminierung, rassistische Wortmeldungen und Angriffe auf Sachverständige machten eine konstruktive Arbeit unmöglich. Als Fraktion Bündnis 90/Die Grünen haben wir deshalb entschieden, einen eigenständigen Bericht vorzulegen, der die Erkenntnisse aus den Sitzungen sowie zahlreichen Eingaben und Empfehlungen sichert und als unser Beitrag zum Abschluss der Enquete-Kommission dient.
Erschüttert hat mich auch der Skandal um die Fördermittelvergabe für Projekte der Antisemitismusprävention. Was hier durch CDU und SPD verantwortet wurde, hat Vertrauen zerstört – bei den betroffenen Trägern, in der Zivilgesellschaft und in die politische Verantwortung insgesamt. Antisemitismusprävention darf nicht Gegenstand intransparenter Verfahren und politischer Einflussnahme sein. Deshalb habe ich mich mit Nachdruck für die Einsetzung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses eingesetzt. Aufklärung ist hier keine Option, sondern eine demokratische Pflicht.
Gleichzeitig war 2025 auch geprägt von intensiven Gesprächen mit Religionsgemeinschaften in Berlin. Der interreligiöse Dialog, der Einsatz für Religionsfreiheit und der Schutz religiöser Vielfalt sind zentrale Bausteine eines solidarischen Zusammenlebens. Gerade angesichts zunehmender Polarisierung ist es wichtig, diese Dialogräume zu stärken.
Ein weiteres zentrales Thema meiner Arbeit bleibt der Kampf gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Das Feld ist ein Ort der Freiheit, der gratis zur Verfügung steht für Sport und Begegnung – und zugleich unverzichtbar für Klima, Erholung und Artenvielfalt in unserer Stadt.
Auch 2026 werde ich mich weiterhin für Demokratie, Beteiligung& Engagement und religiöse Vielfalt einsetzen. Bei der Abgeordnetenhauswahl im September 2026 werde ich jedoch nicht erneut kandidieren. Die Nachfolge in meinem Wahlkreis (Neukölln 2) wird meine geschätzte Kollegin Bahar Haghanipour übernehmen.
Zum Ende dieses Jahres möchte ich mich bei Euch und Ihnen allen herzlich bedanken. Für die Zusammenarbeit, für den offenen Austausch, für Eure und Ihre Expertise – und vor allem für das unermüdliche Engagement für unsere Stadt.
Ich wünsche Euch und Ihnen erholsame Feiertage, Kraft für das kommende Jahr – und die Zuversicht, dass wir gemeinsam Berlin wieder gerechter, solidarischer und demokratischer gestalten können.
Herzliche Grüße
Susanna Kahlefeld
